Danach

Die Motorräder sind bei TBR abgegeben. Zum stets üblichen Tee gab es eine Bewirtung mit Ekmek, Köfte, Peperoni, Tomate, Zwiebel und Bier. 



Positive Überraschung: Inhaber Güven berechnete für den gebrochenen Kupplungshebel, den in Anspruch genommenen Ersatzschlauch, den gerissenen Kettenschutz, und den unfreiwilligen Unterbodenschutz gar nichts. Lediglich das verlorene Rücklicht von Öcis Maschine stellte er in Rechnung: Mehr als fair.



Güven stuft unsere coast2coastAnatolia als professionell geplante, vorbereitete  und  durchgeführte Adventure-Tour  ein. Er wünscht sich eine Ausweitung der Geschäftsbeziehung. Maschinen, Transport-Pickup und Kapazität bis zu 10 Reiseteilhnehmer hat er und machte verlockende Angebote, wenn wir mit einer Gruppe kommen würden……



Turkish Delight

Wir hatten die Route unserer Rückfahrt verkürzt und die Geländeetappen gestrichen, um möglichst rasch ans Mittelmeer zurück zu kommen. Das brachte uns einen  Tag am Meer und am Taurus. Es war warm und wir hatten unser Frühstück am Strand unter der Laube.  Zu unserer Freude hatte die kleine Bude WIFI und so konnten wir Bilder hochladen und unsere mails lesen. Öci konnte sogar skypen.
 

Ein strahlend blauer Himmel, glasklares sommerwarmes Wasser und tausend Sonnen am Himmel. Das war es, was wir uns so sehr gewünscht hatten. Wie relaxt der Vormittag rumging: Schwimmen, Tee trinken, Schwimmen, Mailen, Tee trinken usw.  Dann wollten wir aber ins Gelände.
Neben dem Tahtali Dag hinauf in die Höhe zu den Yaylas, den Hochweiden und dann runter nach Altinyaka, um von dort das Offroad-Wegenetz bis hinunter nach Kumluca zu erkunden. Erstmals auf unserer Tour, dass uns unser GPS nicht die erhoffte Wegeführung durch´s Hinterland anbot und beharrlich die asphaltierte Hauptstraße routete.
 
So tummelten wir und fast zwei Stunden  auf den schönsten Berg und Waldwegen, ohne den entscheidenden Durchbruch nach Kumluca zu schaffen. Immerhin mussten die letzten Millimeter Stollenprofil noch beweisen, was an Grip gerade noch geht.  Direktrouting von Unterwegs ist eben anders als zu Hause am großen Bildschirm mit etlichen Waypoints.
Am Ende war es dann auch nicht verwunderlich, dass Garmin uns aus der Sackgasse auf dem Berg nur wieder denselben Weg zurückschickte ohne eine lohnende Alternative.
 
Wir peilten die Strandbude in Mavikent an und fanden sie auf Anhieb. Leider ist ihr Betrieb inzwischen eingestellt, sodass es gleich weiter ging nach Adrassan und von dort nach Cirali. Enorm, was es da in den letzten Jahren ein Wachstum an Lokalen und Betrieb gegeben hat. Mein Lieblingslokal konnte ich nicht mehr finden. Bei stark zugenommenen Tourismus russischer Urlauber erlebt Cirali eine neue Rainessance.

Finish

Ein Taum die Ballonfahrt über Göreme, von dem wir uns auf direktem Weg verabschieden wollten.

Wie sehr hatten wir uns gewünscht, mal wieder kurze Hosen, T-Shirt und Badelatschen auszutauschen gegen die Enduro-Klamotten der letzten beiden Wochen. so fassten wir in Konya den Entschluss auf einer Backe die letzten 370km ohne Geländeeinlage nach Kemer zurück zu legen.
 
Geländeeinlagen machen ja auch ohne Gepäck mehr Spaß. Deshalb wollen wir heute nach Altinyaka in den Taurus.


Leider verlief die Rückfahrt lange nicht so unproblematisch wie vorgesehen: Ein Kettenriss, der uns 1,5h kostete. Danach konnte es weiter gehen. …..   bis die traditionelle türkischen Straßenbauarbeit erneut in Schwierigkeiten brachte:Auf den planierten Schotterbelag wird Teer und Altöl in großen Mengen aufgetragen bis nichts mehr versickert, sondern satt aufgetragen ist ;2cm grobe Splitauflage und fertig. Die Planierarbeit und das Festfahren übernehmen die Autos….oder Motorräder wie in unserem Fall.

Die Straßen waren total rutschig und kostete zwei anderen Motorradfahrern – die wir an der Tanke beim Reinigen trafen –  einen Sturz.

Alles jetzt vergessen, jetzt geht es ins Meer Schwimmen.

Viva Kapadokia

Auf Postkarten und den gegoogelten Impressionen sieht Göreme schon grandios aus. Bereits bei unserer Ankunft hat das Städtchen uns vollends für sich eingenommen, da viele Gästhäuser und Pensionen in den Berg hinein gebaut sind, wie es in historischen Göreme-Häusern zu sehen ist.

Wir hatten das Glück zu zweit ein geräumiges Höhlenzimmer mit 4 Betten für uns alleine nutzen zu können. Im Sommer kühl und im Winter wärmeisoliert. Lange konnten wir das leider nicht genießen, da unser Bus um 5 Uhr zur Ballonfahrt schon auf uns wartete.
 
In der Morgendämmerung boot sich ein erstaunliches Bild mit den am Boden liegenden Hüllen, die mit Luftgebläsen gefüllt wurden. Ein wenig wie atmende Riesen sah es aus. Als die lokale Flugleitung per Internet allen der 100Flugkapitäne grünes Licht für den Startt gegeben hatte, konnte es losgehen und die Körbe von den Fluggästen bestiegen werden.
 
Als endlich alle in der Luft waren, bot sich ein grandioses Schauspiel. Bis zu dem Unfall vor einigen Jahren sollen es 200 Heißluftballons gewesen sein. Heute ist die Zahl auf die Hälfte reduziert. Es ist schon faszinierend, lautlos dahin zu gleiten oder mit Feuereinsatz auf 500hm Flughöhe zu steigen. Erstaunlich auch, wie gut sich der Ballon lenken lässt. So können Kollisionen vermieden werden.

 

                                               Ganz dicht konnten wir an den historischen Höhlenwohnungen vorbeigondeln und einen grandiosen Eindruck gewinnen. Gekrönt wurde die Fahrt am Ende mit einem alk.freien Sprudel-Fruchtgetränke und jeder erhielt seine Erinnerungsmedaille.

Kein Tag ohne Überraschung

Die Fahrt aus der Wetterküche des schwarzen Meers in den Süden brachte uns noch ein Fahrtag mit so kalten Temperaturen, dass wir alles an warmen Klamotten drunter zogen, bis wir aussahen wie die Zombies. Nur Knapp entgingen wir dem drohenden Unwetter am Abend und hatten eine “Art Jugendherberge” im Bergdorf Alucra gefunden, die uns aufnahm.

Am nächsten Fahrtag konnten wir die Wolken endlich hinter uns lassen, weiter mit Kurs Richtung Süden und Stopp in der tollen Stadt Sivas, die soviel Flair hat und so ganz unvermittelt am Ende der Berge eine Hochburg der türkischen Lebenskultur ist. Zahlreiche Teehäuser und Karavansereien lohnen, einzutauchen ins quirlige Stadtleben.

  

Grobe Richtung Göreme hieß die Vorgabe für unseren Weg, als sich an Öci´s Maschine vorne ein Plattfuß bemerkbar machte. Der unfreiwillige Zwischenaufenthalt machte uns klar, dass sich keiner der drei Werkstätten an den Ausbau des Vorderrades traute. Wenigstens war das Tauschen des Schlauchs ein kleine Hilfe.

Die verlorene Zeit haben wir dann auf der Schnellstraße nach Göreme zurückgelegt und erreichten die Tuffhöhlen und das tolle Städtchen gerade noch, um mit schönem Licht die Abentimmung einzufangen.

  

 

Unser Ziel am schwarzen Meer:Trabzon

Fast hätte es uns den Puffertag gekostet. Der Dauerregen wurde dann aber doch zu Mittag weniger und es konte das Halbzeit-Zielfoto am Strand von Trabzon geschossen werden.
 Dabei hätten wir es im Hotel auch noch eine zweite Nacht ausgehalten. Die Zimmer türkisch luxuriös und direkt in Hafennähe.
Zum Glück hatten wir uns entschlossen bei leichter werdendem Regen zum Kloster Sümela zu fahren. Aus der Stadt raus und dann regnete es nicht mehr.
Seit der Gründung im Jahr 385 ist das griechisch/orthodoxe Kloster für Christen und Moslems ein gemeinsamer Wallfahrtsort. Es wird dort Maria, die Mutter Jesu und bei den Moslems die Mutter des Propheten Isa verehrt. Zahlreiche Pilger aus Persien trafen wir dort.

  

 

Abschied von Pülümür

Halbzeit: unser entferntester Punkt ist erreicht nach gut 1700km. Bisher waren wir exakt im Zeitplan. Aber jetzt gibt es den berüchtigten Schwarzmeer-Dauerregen: wir brauchen den Puffertag, weil fahren nicht möglich ist..
Nach der Zeit bei Öci´s Familie empfinden wir nach der kalten Dusche beim Motorradfahren erst Recht den Besuch bei Ismael in Pülümür wie eine Zeit im kleinen Paradies. Die Dörfer liege um 1500hm und haben noch gemäßigteres Klima als das Pontische Gebirge direkt  am schwarzen Meer. In Ismaels Garten gibt es Walnuss-, Birnen- und Apfelbäume. Der klare Bach speist Forellenbecken , Die Schafe weiden auf saftigem Gras und die Kangal-Hunde halten alles im Schach.

Das große Lagerfeuer und ein Lamm am Drehspieß: Der Abschiedsabend zog noch mal alle Register, um uns das Lebewohl schwer zu machen.

       
  

          

Und erst recht der strahlende Himmel beim Frühstück

draußen direkt neben dem Ofen der Sommerküche im Freien. Von  Anfang an war es heute kühler und wir hatten mit Bedacht bereits die warmen Jacken beim Fahren an, es standen zweieinhalbtausender Pässe auf dem Programm.

Bald musste nunter die Jacke noch alles Langärmlige drunter. Nach 200km hatten wir die Wetterscheide erreicht und es wurde feuchter. Auf den Hochweiden standen plötzlich Kühe, saftig wurde das Gras, ein LKW fährt Heuballen ins Tal wir sind in der Schwarzmeerregion angekommen. Die Wolken werden dichter und bis Uzungöl haben wir die Hoffnung auf spekatkuläre Motive aufgegeben. Das berühmteste ist die weiße Mosche vor dem See umsäumt von dichtem Tannenwald. Sieht schwer nach Alpen aus….ist aber Uzungöl nahe Trabzon.

Die letzten 100km hinunter ans schwarze Meer und zur Unterkunft nach Trabzon macht dem Ruf der grünen Lunge der Türkei alle Ehre. Es gießt. Keine Chance mit einem Tee und einer Mittagspause mit Linsensuppe allem aus den Weg zu gehen. Wir kneifen die Backen zusammen und kommen wieder mal nass bis auf die Haut nach 90min Dauerregenfahrt in Trabzon an.
 

War Abraham ein Kurde?

Wir sind der Heimat von Öci´s Familie auf den Bergen im Kurdenland gelandet. Der Zugang zur Region wird von der türkischen Jandarme  bewacht. Mit der Fähre setz man über den See und ab da beginnt Dersim.


Außer den Schrammen an Öci´s Motorrad , dem Kupplungshebel und meiner Scheinwerferbirne blieb noch alles heile. 1 Tag Durchfall bei mir. Seither ist alles gut. Und bei den vielen Wolken kriegt man so schnell keinen Sonnenbrand:-)


Die Etappe nach Pülümür war ein Kinderspiel, wir waren bereits am Nachmittag schon hier und haben an Ismaels Elektrofahrzeug-Eigenbau geschraubt. Die Geschichte des Aleviten Stamms ist beeindruckend. Sie haben ihre eigene Sprache, die mit einigen Wörtern dem romanischen nah ist und mit Türkisch nichts zu tun hat. So gibt es im Kurdisch das “X” und das “W”. Beides gibt es im Türkisch nicht.
Erst durch den türkischen Staat von den Bergen vertrieben, kehren heute viele in die Dörfer zurück. So auch Ismael, der sein Gasthauses + Pension direkt hinter dem Pass erbaut hat. Sogar die verwilderten Apfelbäume hat er wieder reaktiviert. 

Inzwischen wollen sie einen Nischen-Tourismus anbieten, naturnah. Schwer hier oben auf 1500hm. Aber es gibt einen Braunbär im bewaldeten Berg gegenüber, der Nachts kommt und von den Birnen nascht. Steinböcke, Fuchs und Luchs gibts auch und das Wasser der Bergbachs ist so rein, dass Ismaels Forellen aus seinem Teich gut nachgefragt werden als Frischfisch zum Verkauf. 
Das nördliche Mesopotamien hatten wir bereits mit dem Berg  Nemrut besucht. Geheimnisvoll die plötzlich aufgetretene Verbindung zwischen Europäischer  und Persischer Kultur.  Jetzt kommt eine Erklärung hinzu, dass es einfach war, eine Verbindung zwischen beiden Kulturen herzustellen,  da beide dem indogermanischen Sprachraum angehörten.
Weiter nordöstlich von Dersim, wie der alte Name dieser Kurdenregion lautet,  trifft man auf das Monsur Gebirge im Pontischen Gebirgszug. Es hat bestes Wasser, die höchsten Berge und das Quellgebiet von Euphrat und Tigris. Uraltes Kulturland, das seit je her von Stämmen der Kurden bewohnt ist. Die unterscheiden sich allerdings tüchtig von den Türken und legen großen Wert darauf.
Die eigenen Wurzeln sehen die Leute aus Dersim  in Persien, von wo sie hierher kamen. Noch heute leben sie ihre eigenständige Lebensweise, die weit ab vom orthodoxen Islam angesiedelt ist. Mit der Umschreibung Aleviten haben sie eine vom türkischen Staat tolerierte kulturelle Eigenheit erobert, die es ihnen sogar gestattet, eine Alkohol-Ausschanklizenz zu erhalten.
Wer bohrt hört, dass die Aleviten hier allerdings mit Blick in die Vergangenheit die zarathustrische Religion als Zentrum ihres Glaubens sehen. Jedenfalls steht ihr Bekenntnis im krassen Wiederspruch zum Rest der Türkei.
Wer es auf sich nimmt, Schafzucht hier im Gebirge zu betreiben, hat ein doppelt schweres los, da es Bergsteigerschafe sein müssen, die in den steilen Hängen sicheren Tritt finden und sich nur schwer zu den Hängen vorkämpfen, auf denen sie weiden können. Dass sie bei solch täglichem Ausdauertraining mager /dünn bleiben wundert nicht.

Über Nacht müssen die Tiere in den Pferch. Bären und Wölfe reißen die Schafe und in einer Nacht waren es schon mal 12 Tiere, die dran glauben mussten.

Premiere

Den ersten Tag trocken von der Tour zurück. Das hatten wir noch nicht. Der Tag fing zwar alles andere als optimal an, weil die chinesische Reisegruppe bereits um 4:30 rumorte und vorbereitungen für den Sonnenufgang auf dem Nemrut Berg traf. Nachtruhe war da rum. Ein Blick in den Himmel mit der Morgendämmerung zeigte allerdings eine geschlossene Wolkendecke. Nichts für spektakuläre Sonnenaufgangfotos mit dem gold angestrahlten Kopf des Antiochos oder Herakles vor schwarzblauem Himmel.

Am liebsten hätte ich mich rumgedreht und weiter geschlafen, aber ein Durchfall hatte mich im Griff und ließ nicht eher locker, bis alles entleert war. Trocken Brot, Cola und Imodium Kapseln halfen mir, der Attacke zu trotzen und den ganzen Tag war Ruhe.

Am Abend hatten wir schon Jens und Micha kennengelernt, die auf eigene Faust  mit dem Mietwagen ebenfalls quer Beet unterwegs waren und auf dem Weg nach Istanbul waren. Beide waren schon früh auf dem Nemrut und brachten stimmungsvolle Filmaufnahmen von dort mit. Erstaunlich, wie schnell sich das Wetter besserte. So sollte auch dann den ganzen Tag weitergehen.

Im nördlichen Mesopotamien ist der Nemrut 2150hm der höchste Ber und trägt auf der Spitze das Grabmal von Antiochos unter einem spitzen Geröllkegel. An den drei  Kultplätzen sind heute wieder die Götterköpfe der persichen und griechischen götter vereint zu sehen. ein Zeichen der multikulti Anstrengung die zwei Welten an einem Platz zusammen zu bringen. Wir nahmen tolle Eindrücke von diesem Weltkulturerbe mit.

Die Weiterfahrt nach  Elazig erinnerte uns sehr an den Benzinmangel in Nepal: unsere Tanks waren leer, hier in der Abgeschiedenheit hatte man im Dorf Karadut nur Colaflaschcen mit Benzin vom Krämerladen und ob uns das über die Berge retten könnte, wollten wir ausprobieren. Es klappte. Die 80 km Querung brachte uns über vier Bergrücken, zahllose kahle Berghänge und wieder an Stellen, wo Quellen ein Dorf ermöglichten und der Bauer Klee und Futte auf dem Esel durch die Berge trug.


Beeindruckend die kahlen Berge und Dörfer, in denen man uns anhielt und ungläubig fragt, was  wir denn hier suchten und wo wir hin wollten. Elazig kannten sie aber sei soooo weit wir hätten uns aber total verfahren. Hatten wir nicht, aber wir hatten die direkte Route über tausend Berge dorthin gewählt, kamen nur langsam vorwärts und fanden am Beginn der Teerstraße in Pütürge im Herz der Berge endlich die Tanke, und 100km später das Superhotel in Elazig.